Weltkrieg II

 

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Die Mobilmachung

Im Sommer 1939 spitzt sich die Lage in Europa bedrohlich zu. Am 1. September überfällt Hitlerdeutschland Polen. Frankreich und Grossbritannien antworten mit Kriegserklärungen an Deutschland. Damit ist der WK II entflammt.

Der Bundesrat bietet auf den 29. August den Grenzschutz und die  Flieger- und Flabtruppen auf.

Die verfügbaren Flab Verbände am Vortag der K Mob

Am Tag der Mobilmachung stehen der Armee also 6 Einheiten zu je 6 bis 10 Geschützen 20 mm Flab Kan Oerlikon zur Verfügung. Die Ortsflab Zürich wird auch mobilisiert. Sie besitzt 21 Flab Geschütze 20 mm.

Seit Kriegsbeginn werden keine Oerlikon-Geschütze mehr nach Nazideutschland geliefert. Man übergibt sie daher der schweizerischen Fliegerabwehr. Bis Ende Mai erwartet man weitere 140 Geschütze 20 mm Oerlikon, doch sind es dann in den letzten Monaten des Jahres insgesamt nur gerade 131.

Es entsteht ein Mangel an Bedienungsmannschaften. General Guisan befiehlt, dass alle Hilfsdienstpflichtigen zwischen 20 und 40 Jahren nachgemustert werden. Von den 50’000 als Dienstpflichtig Befundenen erhalten 18'000 den herabwürdigenden Stempel Nur Flab-diensttauglich ins Dienstbüchlein gedrückt. Diese werden im Rahmen besonderer „Rekrutenschulen“ in Bümpliz, Langenthal, Bern und Payerne ausgebildet. Die Rekrutenschule für Nachgemusterte der 20 mm Fliegerabwehr beginnt am 3. Januar und dauert 55 Tage. Das Ergebnis dieser Nachmusterung ist allerdings ernüchternd. Die Ausbildner haben sich mit einer sehr heterogenen Truppe herumzuschlagen.  Vom Analphabeten bis zum „Studierten“, vom Hilfsarbeiter bis zum Rechtsanwalt; auch vom Herzkranken, über den Mann mit Glasauge bis hin zum Krüppel mit Holzbein, alle sind dabei – sogar kriminelle Elemente. Wen wundert’s, dass an die 50% der „Nur Flab-diensttauglichen“ aus geistigen und/oder körperlichen Gründen gleich wieder entlassen werden müssen! Das ist wahrlich eine besonders harte Zeit für das Instruktorenpersonal, das über Monate keinen einzigen freien Tag hat (Sonntage eingeschlossen). Ferien gibt es auch nicht und über Weihnachten haben die Ausbildner gerade mal 48 Stunden Urlaub. Alle Angehörigen der Fliegerabwehrtruppen empfinden das Aushebungsergebnis „Nur Flab-diensttauglich“ als sehr demütigend, verächtlich und ehrenrührig. Man begehrt auf und hat schliesslich Erfolg. Das diskriminierende „Nur“ wird später tatsächlich fallen gelassen.

Endlich will man sich auch in der Kaliberfrage einigen. Im Februar begeben sich der Vorsteher des Eidg. Militärdepartements, General Guisan, der Chef der Kriegstechnischen Abteilung und weitere höhere Kommandanten  und Stabsoffiziere nach Zuoz. Auf dem dortigen Flabschiessplatz finden Demonstrationen statt und die Frage „20 mm, 34 mm und 7.5 cm oder nur 20 mm und 7.5 cm“ soll hier beantwortet werden. Die Antwort ? Am 29. April beschliesst der Bundesrat auf Antrag des EMD die Beschaffung von 60 Doppel-Mg zur Verteidigung der Flugplätze und 100 Expl der 34 mm Flab Kan 38 W+F.

 

Die Kriegsjahre 1939 - 1945

 Am 1. September wird vom Bundesrat auf den Folgetag die allgemeine Kriegsmobilmachung angeordnet. Nach vollzogener Kriegsmobilmachung geht es dem Kdt FF Trp bei der Fliegerabwehr in erster Linie darum, seine Truppen kriegsgenügend auszubilden und die Führungsstruktur zu festigen. Das technische wie auch soldatische Niveau konnte bis Jahresende beachtlich angehoben werden. Allerdings gab es keine Schiessgelegenheiten.

1939

Die personellen Verhältnisse bei der Truppe sind prekär. Die Bestände müssen dringend ergänzt werden. Der General befiehlt deshalb im November die Erhöhung der Rekrutenzahl von 400 auf 1000 pro Jahr.

 

Bis zum 18. Oktober hat Oerlikon der Flab Truppe insgesamt 70 Geschütze 20 mm Oerlikon ausgeliefert. Bis Ende Dezember erwartet man weitere 70 Kanonen. 

 

Im November wird ein Teil der Flab Truppen entlassen und das Material den Rekrutenschulen zur Verfügung gestellt.

 

Ende Jahr liegt endlich das erste, von der Flab redigierte Fliegerabwehr-Reglement „Material und Bedienung der 20 mm Flab Kanone Oerlikon“ vor.

1940

Im April hat die Leichte Fliegerabwehr Feuertaufe: Einige 20 mm Geschütze beschiessen auf dem Flugplatz Dübendorf ein deutsches Kampfflugzeug

 

Am 10. Mai erfolgt die zweite Generalmobilmachung. Jetzt sind es schon fünfzehn 20 mm Flab Einheiten, die der Armee zur Verfügung stehen. Diese werden, zusammen mit anderen Flab-Waffengattungen in 5 Flab Abteilungen verschiedener Stärke gegliedert. Diese Abteilungen nennt man des provisorischen Charakters wegen „Gruppen“, die Einheiten dagegen „Flab-Detachemente“.

 

Im Mai und Juni hat die 7.5 cm Flab Feuertaufe. Wesentliche Erfolge bleiben aber aus.

 

Die Behinderungen, welche zu Beginn die Herstellung von20 mm Flab Kan 38 W+F Geschützen abdrosselten, sind im Sommer 1940 grösstenteils überwunden. Nach der Ablieferung einer grösseren Zahl von 7.5 cm Kanonen ist nun die Leichte Fliegerabwehr an der Reihe. Sie erhielt von den Eidg. Konstruktionswerkstätten in Thun nun auch die vorzüglichen 20 mm Flab Kan 38 W+F, mit welchen nun die neuen L Flab Bttr ausgerüstet werden. (Bild: 20 mm Flab Kan 38 W+F im Einsatz (hier in den 70er Jahren)

1941

Der  L Flab Schiessplatz Savièse wird eröffnet. Die Schiessausbildung als unabdingbarer Teil einer kriegsgenügenden Ausbildung wird stark gefördert. Alle Flabeinheiten werden in regelmässiger Folge in Flabschiesskurse aufgeboten.

 

Trotz Widerstand des Kommandos der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen wird im April entschieden, den Armeekorps durchschnittlich fünf 20 mm Flab Batterien definitiv zu unterstellen. Diese Einheiten können jetzt zwar an den Manövern teilnehmen, was ihrer allgemeinen taktischen Ausbildung wohl förderlich war. Andererseits geschieht aber auch das vom Kdo FF Trp stets befürchtete: Die 20 mm Flab wird falsch eingesetzt! Die Batterien werden oft geschützweise aufgestellt, was schiesstechnisch völlig absurd ist. Öfter verwendet man sie sogar zur Panzerabwehr, eine Aufgabe, die sie allemal nicht lösen kann.

 

1941 ist das für die Entwicklung des Krieges entscheidende Jahr. Bis Ende Oktober sind 520 Geschütze 20 mm und 370 Telemeter 1.25 m Basis von Wild Heerbrugg ausgeliefert. Ende Jahr weist die L Flab bereits die stattliche Zahl von 59 L Flab Bttr aus. Die rasche Aufstellung der Einheiten in Funktion der Waffenlieferungen hat allerdings zur Folge, dass die Einheiten personell durchwegs unterdotiert sind. Der Durchschnitt beträgt 60% des Sollbestandes.

 

In diesem Jahr gibt es für die Flab nur wenige Einsatzmöglichkeiten. Monatelang hat sie überhaupt nicht in Aktion zu treten, weil die Flugzeuge grösstenteils ausserhalb des Wirkungsbereiches fliegen. Es gab da aber noch einen andern Grund. Die Bevölkerung zieht es bei Fliegeralarmen anlässlich von Flabbeschuss aus Neugier und Sensationslüsternheit oft vor, das abwechslungsreiche Schauspiel zu verfolgen, statt den Luftschutzkeller aufzusuchen. Folge davon ist, dass wurden da und dort Personen durch herab fallende Splitter verletzt werden. Auch Dächer kommen vereinzelt zu Schaden.  Aus ängstlicher Vorsicht engen unsere Behörden alsdann die Flabschiessen ein, statt die Gaffer in Deckung zu zwingen! Die Flab muss Sicherheitssektoren einrichten, damit keine Splitter über Stadt- bzw Dorfgebiet fallen können. Die in Grandcour bei Payerne stationierte 7.5 cm Flab etwa darf nur so schiessen, dass Splitter in jedem Fall entweder in den Neuenburger- oder in den Murtensee fallen!

1942

Im 3. Kriegsjahr kommt die Fliegerabwehr nie zum Schuss, obwohl sie andauern in Bereitschaft ist. Das „Flabjahr“ ist vor allem durch ständige Umgruppierungen gekennzeichnet. Man sucht nach einer Taktik, mit welcher man dem ständigen Fluss der Grenzverletzungen besser begegnen kann.

Die Armeekorps erhalten je einen Chef Flieger und einen Chef Flab.

 

Die Zeit wird weiterhin für eine noch bessere Ausbildung genutzt.  Man legt das Schwergewicht auf die fachtechnische Ausbildung der Kader und Soldaten. Die zögernde Einführung in die Panzerabwehr scheitert, weil das Kdo FF Trp dagegen eingestellt ist. Als Hauptargumente gegen dieses Vorhaben führt man die ohnehin noch ungenügenden Flabmittel ins Feld sowie die Tatsache, dass eine Waffe nicht gleichzeitig zwei verschiedene Aufgaben mit Erfolg erfüllen könne.

In Langenthal beginnt die Ausbildung der Fliegerabwehr-Motorfahrer.

 

In Payerne wird eine neue Fliegerkaserne gebaut und am Ostermontag bezogen. Die leichte Fliegerabwehr „erbt“ nun die alte, schon damals unzweckmässig gebaute Kaserne gegenüber dem Schlachthaus. Diese Kaserne genügt nie den gestellten Anforderungen (Anmerkung: Sie wird übrigens erst im Zusammenhang mit der Einführung der Leichten Flab Lenkwaffe Stinger in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts umgebaut).

1943

Zu Beginn des 4. Kriegsjahres wird die 20 mm Fliegerabwehr vornehmlich zum Schutz der Gotthard- und Simplon-Linien und der Flugplätze im Mittelland und im Réduit gegen Tieffliegerangriffe und plötzliche Überfälle eingesetzt. Zu diesem Zweck werden die betroffenen Einheiten den Flab Regimentern fest zugeteilt.

Im Oktober erlässt der General einen neuen Befehl für den Einsatz der FF Truppen. Er regelt die Bereitschaft und gewisse Aspekte der Feuereröffnung. Bezüglich Bereitschaft hat die Hälfte der im Dienst stehenden Flab- Gruppen und –Detachemente in ständiger Einsatzbereitschaft zu sein, während die andere Hälfte die Ausbildung verbessern muss. Neu wird nun bei der 20 mm Fliegerabwehr im Rahmen von kombinierten Übungen auf Verschiebungen die Taktik des Marsches unter Mitwirkung von Fliegern geübt. Die Schiesskurse werden weiterhin von allen Einheiten im Turnus durchlaufen. Ausbildungs-Schwergewichte sind hier Schiessfertikeit und Feuerdisziplin.

 

Erstmals finden bei der 20 mm Flab auch Spiegelschiessen (Versetztziel-Schiessen) statt. Hierzu verwendet man die Beobachtungsspiegel der 7.5 cm-Batterie.

 

Am 6. November regelt das KFLF die Alarmbereitschaft neu. Bei der L Flab müssen pro Flabzug 2 Geschütze ständig alarmbereit sein, sofern das Wetter den Luftzielbeschuss zulässt und innert 3 Minuten nach Alarmauslösung das Feuer eröffnen können. Der Rest der Einheit muss innert einer Stunde einsatzbereit sein.

 

Per Jahresende sind weitere 8 L Flab Batterien mit einem Mannschaftsbestand von 60% des Sollbestandes neu aufgestellt.

1944

Mobilmachung der gesamten Fliegerabwehr als folge der Landung der Alliierten in der Normandie. Damit rücken auch die 20 mm Flab Batterien ein, die zum Schutz der Flugplätze aufgestellt worden waren. Diese hatte man, wie alle Leichten Flab Batterien, nach und nach mit der „20 mm Flab Kanone 38 W+F“ ausgerüstet, die hervorragende ballistische, aber nur eine befriedigende Kadenz aufweist. Die damit frei gewordenen „20 mm Geschütze Oerlikon“ wurden der Nahverteidigung der 7.5 cm Batterien zugeteilt, deren Feuereinheiten bis dahin nur mit 2 Geschützen bestückt waren.

 

Die Besatzungen der in der Schweiz infolge Flabbeschuss abgestürzten bzw zur Landung gezwungenen Flugzeuge äussern sich ausnahmslos anerkennend über die Präzision der schweizerischen Fliegerabwehr. An diesem Lob kann die Leichte Fliegerabwehr allerdings nicht teilhaben, denn sie konnte – trotz verhältnismässig grossem Munitionsverbrauch – keine sichtbaren Erfolge verzeichnen. Dem Grund geht man natürlich nach und findet heraus, dass die L Flab meist auf zu grosse Distanz das Feuer eröffnet und vielfach schnell fliegende Flugzeuge auch im Vorbeiflug beschiesst. Situationen also, von denen man durchaus weiss, dass sie zu keiner bzw zu allzu geringer Treffererwartung führen.

1945

Im Februar schiesst eine der zum Schutz des Bahnhofes Chiasso eingesetzten 20 mm Flab Batterien ein amerikanisches Jagdflugzeug des Typs "Thunderbolt" ab.

 

Der Flabschiessplatz Brigels wird eröffnet.

 

Nach der Kapitulation wird die gesamte Fliegerabwehr in die Demobilmachung befohlen und am 12. Mai sind alle Flab Truppen entlassen.

 

    Entwicklung der 20 mm Flab im Aktivdienst           Entwicklung der Bestände an 20 mm Flab Kan im Aktivdienst

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Last Update: 04.11.2011