Stinger kommt

 

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Um der ständig wachsenden Bedrohung aus der Luft erfolgreich begegnen zu können, benötigt die L Flab in den Heereseinheiten leistungsfähigere Mittel für den Kampf gegen feindliche Flugziele  in niedrigen und mittleren Höhen. Insbesondere die Verwendung von Kampfhubschraubern und der sich abzeichnende Einsatz von Drohnen für Aufklärungs- und Kampfaufgaben ruft nach der Ergänzung der 20 mm Flab durch ein kostengünstiges, flexibles und auf unteren taktischen Stufen einsetzbares System. Mit einem solchen Waffensystem soll flächendeckend ein breites, vom Hochgeschwindigkeits-Tiefflugzeug bis hin zum schwebenden Kampfhubschrauber reichendes Zielspektrum mit hoher Erstschuss-Trefferwahrscheinlichkeit bekämpft werden können.

Die Auswertung der Erfahrungen mit solchen Waffensystemen in Afghanistan und im Falklandkrieg zeigt, dass mit tragbaren Lenkflugkörper-Waffensystemen (MANPADS = Man Portable Air Defense System) das oben genannte Aufgabenspektrum kostenwirksam gelöst werden kann.

Der Schweizerischen Fliegerabwehr schwebt vor, die L Flab mit einem solchen System auszurüsten und damit:

  • Eine tief gestaffelte, grossflächige Abnützung der gegnerischen Luftkriegsmittel im unteren Luftraum aufzubauen (stören, abnutzen, in den  oberen Luftraum verdrängen, vernichten)

  • Die Schutzwirkung zugunsten von Formationen und Einrichtungen der Feldarmee drastisch zu erhöhen (Objektschutz)

  • Tiefflugkorridore zu sperren, durch die sich gegnerische Flugzeuge der Radarerfassung zu entziehen versuchen.

1981

Der überarbeitete und den neuesten Erkenntnissen und Vorschriften angepasste Behelf „Organisation und Einsatz der L Flab“ erscheint. Er ist die für die taktische Ausbildung unentbehrlich gewordene Grundlage (Erstausgabe 1974)

1982

Die schultergestützte L Flab Lenkwaffe STINGER wird in der Schweiz erstmals näher geprüft. Dieses Waffensystem ist bei den afghanischen Mudschaheddin zusammen mit Blowpipe und der sowjetischen SAM-7 im Einsatz. Seit dem Auftauchen von STINGER in Afghanistan dürfen die Invasoren nun nicht mehr mit einem Verlust von 20 Maschinen pro Jahr wie bisher rechnen, sondern müssen nun den durchschnittlich täglichen Verlust eines Fluggeräts hinnehmen.

Die Versuche zeigen allerdings, dass das Waffensystem Stinger BASIC verbesserungswürdig ist und man beschliesst, die Weiterentwicklung und Entwicklung anderer, vergleichbarer Waffensysteme abzuwarten.

1983

Mit dem diesjährigen Rüstungsprogramm werden 250 neue 20 mm Flab Kan 54 für die Festungs- und leichten Flugplatzbatterien nachbeschafft. Mit deren Auslieferung und Einführung bei der Truppe werden dann die 20 mm Flab Kan 38 W+F der Festungsflab und die 20 mm Flab Kan 43/57 Drilling der Flpl Flab ausser Betrieb gesetzt.

Die Beschaffung von Kampfpanzern LEOPARD II wird vom Parlament in Frage gestellt. Darauf reist eine Delegation in die USA, um eine eventuelle vorgezogene Beschaffung der Flab Lwf STINGER vorzubereiten. Schliesslich geht die Panzerbeschaffung im Parlament doch noch durch und das Stinger-Geschäft wird vorläufig wieder eingefroren.

  Der überarbeitete und den neuesten Erkenntnissen und Vorschriften angepasste Behelf „Schiessen L Flab“ erscheint. Er ist eine für die Schiessausbildung unentbehrlich gewordene Grundlage. (Erstausgabe 1974)
1984

Die Leichte Flab Abteilung 24 wird auf das Flab Lenkwaffensystem RAPIER umgeschult und wird zur Mobilen Fliegerabwehrlenkwaffen-Abteilung 11.

1985

Der Tourismus frequentiert immer häufiger auch die Schiess-Sektoren der Flab und die Umweltschutzorganisationen beklagen sich über die herumliegenden Vollgeschosse. Die Rekrutenschulen Payerne und Grandvillard führen im Rahmen von Geländeübungen und Märschen auf den Flabschiessplätzen Brigels und Grandvillard gross angelegte Geschossräumungsaktionen durch.

Im September finden in Emmen und im Oktober in Bern Jubiläumsfeiern "50 Jahre Flab" statt.

Die leichte Flababteilung 25 und teile der L Flab Abt 21 werden umgeschult, per 1.1.1986 in eine mobile  Flablenkwaffenabteilung (RAPIER) umgewandelt und der mechanisierten Division 4 unterstellt.

Die übrigen L Flab Abt der Flab Regimenter werden auf Ende Jahr aufgelöst.

1986

Aus der Abteilung für Flugwesen und Fliegerabwehr AFLF wird das „Bundesamt für Militärflugwesen und Fliegerabwehr“ BAFF. Der Direktor des BAFF ist gleichzeitig der Waffenchef der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen. Die Funktionsbezeichnung "Ausbildungschef der Flieger- resp der Flab Trp" muss der armeeüblichen Benennung "Kreisinstruktor der Fl- resp. Flab Trp" weichen.

Bitte auf das Bild klicken, um das Organigramm in voller Grösse zu betrachten

Die bei zweifelhafter Witterung oft ausbleibenden Zielflugzeuge verursachen Wartezeiten bei der Truppe. Auch die Flugplatzbetriebszeiten erlauben je nach Anzahl der z Vf stehenden Zielflugzeuge nicht mehr den nahtlosen Übergang von Flug zu Flug. Warten ist aber in den Achtzigerjahren nicht mehr „in“.  Damit solche Totzeiten überbrückt und z T teure Jet-Richtflüge ersetzt werden können, wird die Kleinzieldrohne (KZD) eingeführt.  Damit erfährt die Richterausbildung mit der ZFA Florett nochmals eine Steigerung der Intensität.

1987

Die Flab Kaserne Payerne und die Ausbildungsinfrastruktur für die L Flab hat zu keiner Zeit den Anforderungen genügt. Der letzte unternommene Anlauf zu Sanierungs- und Ausbauarbeiten findet nun, nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Einführung eines neuen Waffensystems, nach zehnjähriger Planung endlich den Weg zur Verwirklichung: Am 20. August startet man mit dem 1. Spatenstich den Ausbau des Flab Waffenplatzes Payerne.

Bei der Flugplatz-Fliegerabwehr werden die 20 mm Flab Kan 43/57 Drilling durch die 20 mm Flab Kan 54 abgelöst.

1988

Die Technischen Versuche mit Lwf Systemen werden wieder aufgenommen, diesmal mit dem weiterentwickelten System STINGER POST (Passive Optical Seeker Technique) und dem französischen Waffensystem  MISTRAL.

Am 6. Dezember stimmt die Gemeindeversammlung Grandvillard der Vertragsverlängerung für den Betrieb des Schiess- und Richtplatzes Grandvillard zu. Die Verhandlungen waren langwierig und zäh, aber nun steht der langjährigen Weiternutzung des Platzes nichts mehr im Wege.

1989

Die Evaluation eines L Flab Lwf Systems geht weiter mit Technisch-Taktischen „Side-by-Side“ Versuchen mit STINGER und MISTRAL.

(Die l Flab Lwf STINGER mit entfalteter IFF-Antenne und US IFF-Abfragegerät)

Der Entscheid fällt zugunsten STINGER POST RMP (Reprogrammable Micro Processing) aus. Das ist die z Z aktuellste Entwicklungsstufe. RMP macht das Waffensystem sozusagen „zeitlos“, weil auf Neuentwicklungen auf dem Flugzeugsektor durch Anpassung der Steuersoftware jederzeit reagiert werden kann.

1990

 

Unter dem Chef Einführung STINGER (CESTI) Major i Gst Matthias Weibel (zuletzt Br und Kdt des LVb 33), beginnt das „Kernteam Stinger“ mit der Einführungs- und Ausbildungsplanung und der Bereitstellung der Ausbildungsinfrastruktur.

Das Team und die Aufgaben der einzelnen Mitglieder:

  • Hptm i Gst (heute KKdt) Blattmann (Einsatzfragen, Ausrüstung, Motorisierung)

  • Adj Kurt Sprenger (Übermittlung, FED, Bauten, Demonstrationen)

  • Stabsadj E.F. Friedli (Technische Fragen und ‑Reglemente, Lenkwaffenausbildung, Schiess-Simulator, Verpflegung und Versorgung, Wartung und Unterhalt).

Bild (Fotomontage des Verfassers): Das Kernteam Stinger in der Halbwüste von New Mexcio (NM) anlässlich eines FTX (Field Exercise). VLNR: Stabsadj Friedli und Adj Sprenger als Stinger-Trupp, Hptm Blattmann und Major Weibel (auf dem Bild eingefügt)

1991

 

Elf Instruktoren der L Flab und der Wafm Schulen Worblaufen absolvieren vom 10.5. bis 12.6.  in der Air Defense Artillery School , 4th Battalion, 6th Air Defense Artillery Regiment, 6th ADA Brigade in Fort Bliss (El Paso, TX) den “MANPADS Crewmancourse 043-16S10” als sogenannte "Allied Students". In diesem Kurs werden vom Kernteam die bisherigen Vorbereitungen täglich validiert. Alle Teilnehmer bestehen die theoretischen und praktischen Prüfungen und werden zu "US-Graduate STINGER-Crewmen" befördert. Dies berechtigt sie, in Abnahmeschiessen als Schütze eingesetzt zu werden. 

Bild: Die Teilnehmer vor dem "Air Defenders Monument" in Fort Bliss, TX;  VLNR stehend: Adj Gautschi, Grossrieder, Friedli; Sgt First Class Dick (Klassenlehrer); Hptm Blattmann, Adj Rychard, Sprenger

 

Das Funksystem SE-227 wird eingeführt. Bei den Stinger-Feuereinheiten wird es in einer besonderen Konfiguration eingeführt. Die Führung dieser im Einsatz autonomen Gruppen hängt steht und fällt mit einem guten und zuverlässigen Funksystem.

1992

Abschluss der Einführungsvorbereitungen Stinger und im Dezember Pilotkurs für Instruktoren der Leichten Fliegerabwehr:  Die L Flab Lwf STINGER wird eingeführt.

Dieser Kurs dient im wesentlichen:

  • der Schulung zusätzlicher Instruktoren

  • der Validierung der Kursplanung und Ausbildungsvorbereitungen

  • der Überprüfung von Betriebsabläufen, der Infrastruktur sowie der Zusammenarbeit mit der Stinger-Werkstatt des Zeughauses.

Mit diesem Kurs beginnt auch ausbildungstechnisch eine neue Aera bei der L Flab. Stinger ist eine so genannte „Fire and Forget“-Waffe („Schiess und vergiss“). Damit will man sagen, dass der Lenkflugkörper – einmal abgefeuert – nicht mehr beeinflusst werden kann. Er sucht selbständig und weitestgehend unstörbar seinen Weg ins Ziel, um es dann mittels einer genialen, zieladaptierten Endphasenlenkung mit einer bisher nie gekannten Wahrscheinlichkeit von über 90% an verletzlichster Stelle zu treffen und abzuschiessen. Im Einsatz der L Flab Lwf Stinger entscheidet nicht mehr ein Subalternoffizier ob geschossen werden soll oder nicht. Diese im Zusammenhang mit „Fire and Forget“ noch viel schwerwiegendere Entschlusslast obliegt nun dem Stingerschützen.  Es versteht sich von selbst, dass man in dieser neuen Situation ausbildungsmässig nichts mehr dem Zufall überlassen darf. Das Kernteam Stinger hat dies deutlich erkannt und deshalb eine so genannte integrierte Ausbildung in Blockarbeitszeiten mit Berufsausbildnern als Hautträger der Ausbildung ausgedacht.

Die Stinger-Ausbildung wird nach einem örtlich-zeitlich-abfolgemässig ausgeklügelten Plan in täglich 4 Ausbildungsblöcken zu 2 Stunden  mit dazwischen liegenden, grösseren Pausen verabfolgt. Die Ausbildungssequenzen sind genau aufeinander abgestimmt. Für Abwechslung ist dadurch gesorgt, dass sich Theorie und Praxis im Innern und im Gelände abwechselnd folgen. Das Ganze führt zu sehr intensiven Arbeitstagen, die in der Regel keine Abendarbeit mehr kennen – es sei denn auf freiwilliger Basis! In der Tat werden wöchentlich 2-3 fakultative Abendkurs, meist im Schiess-Simulator und im FED, angeboten. Diese werden – es mag erstaunen – stets gut besucht. Das ist aber weiter nicht verwunderlich, denn zum Ausbildungssystem gehören auch regelmässige Prüfungen. Wer in sensiblen Fächern  (insbesondere in der Schiessausbildung und in der Flz Erkennung) nicht genügt, wird nicht zum Stingerschützen promoviert und umgeteilt! Nur dank diesem revolutionierenden Ausbildungssystem kann verantwortet werden, dass ein derart wirksames Waffensystem von Soldaten eingesetzt wird.

Der Schiess-Simulator Stinger

(Schiess-Simulator Stinger)

Die Einführung dieses höchstmodernen Waffensystems bedeutet übrigens keineswegs Konkurrenz für die 20 mm Flab – im Gegenteil – sie erfährt durch die Waffensynergie zwischen den beiden Systemen sogar eine eindeutige Aufwertung!  Das erklärt sich dadurch, dass die L Flab Lwf eine Mindesteinsatzhöhe kennt und in Bodennähe nicht zum Einsatz gebracht werden darf. Die dadurch entstehenden nicht bestrichenen Zonen im Flab-Dispositiv gegen Helikopter im Schleichflug, Luftlandeaktionen in Bodennähe und Bodenziele müssen nach wie vor von der 20 mm Flab übernommen werden.

1992

Die Original-US-Systemkomponente IFF (Identification Friend-Foe oder Identifikation Freund-Feind) kann nicht ohne weiteres übernommen werden, weil die schweizerischen IFF-Modi (System „Morgenstern“) von denen der NATO teilweise abweichen. Es müssen deshalb eigene Sende- und Empfangsmodule entwickelt werden. Ein glücklicher Umstand will es, dass just im Herbst 1992 gross angelegte Flieger-Flab-Manöver mit Zeitfenstern zur Überprüfung des IFF-Kriegsmodus stattfinden,  im Rahmen derer das IFF-System Stinger auf „Herz und Nieren“ getestet werden kann. Weil der Kriegsmodus geheim ist, finden solche Waffenübergreifenden Überprüfungen im grossen Rahmen nicht sehr häufig statt. Die Module bestehen die Prüfung und bis Ende 1994 ist die elektronische IFF bei der Truppe eingeführt. Damit kann der erste Ausbauschritt des Waffensystems abgeschlossen werden.

So funktioniert das elektronische IFF System:  Per Knopfdruck sendet der Schütze eine codifizierte Abfrage an das anvisierte Flugzeug (Flz) [A] - Erkennt das Flz die codifizierte Abfrage (weil dessen Transponder als eigenes Flz mit demselben Code versehen ist) sendet es die Antwort "Eigen" zurück [B] - In diesem Fall generiert das IFF-Abfragegerät des Schützen einen Ton, der "Eigen" bedeutet. Kommt innert 2 Sekunden keine Antwort vom Flz (weil es den Code nicht kennt) wird ein Ton generiert, der "Unbekannt" bedeutet [C]. In diesem Sinne ist die Bezeichnung IFF eigentlich falsch. Es sollte besser heissen "Identifikation Freund-Unbekannt"

1993

Am 4. Januar 1993 beginnt mit der Mob L Flab Abt 7 die Umschulung aller Batterien I und II der leichten Flabformationen der Divisionen und Brigaden der Schweizer Armee auf die L Flab Lwf Stinger

  • zunächst in 2 dreiwöchigen Umschulungskursen (UK) pro Einh (Kurs 1: u.a. Lenkwaffen-, Uem-, FED-, FE-Koch - Ausbildung, Einsatzgrundlagen; Kurs 2: u.a. Takt Grundausbildung und Einsatzübungen)

  • ab A-95 in 3 zweiwöchigen UK.

Die Umschulungskurse werden schliesslich bis1999 dauern.

1994

Die Leichten Flab Züge auf den Höhenstellungen der Flieger-Radarkompanien mit ihren 20 mm Flab Kan 43/60 Zwilling werden auf Ende Jahr aufgelöst.

 

In Brigels beginnt der Umbau des Flabschiessplatzes. Das militärische Bauprogramm 94 sieht die Neugestaltung in 2 Etappen vor. Zunächst soll der Schiessplatz zur Aufnahme der Stinger-Ausbildung angepasst werden. Mit dem Bauprogramm 1998 soll dann das baufällig gewordene Truppenlager ersetzt werden.

1994

Produktions-Abnahmeschiessen (Lot Acceptance Firings oder kurz "Fly to Buy") in den USA durch Instruktoren der L Flab Lwf unter Leitung der Gruppe Rüstung (heute ArmaSuisse) und der Firma General Dynamics (1994, dann von den Übernahmefirmen Hughes und schliesslich Raytheon. Die Schiessen finden in Zusammenarbeit mit der US-Army (Infrastruktur, Dienstleistungen und Sicherheit) auf den Lwf Schiessplätzen McGregor Range (Fort Bliss, TX) und White Sands Missile Range (NM) statt.

 

Bild links: "It's gone!" Stinger-Abschuss in White Sands Missile Range, Fly to Buy 1997

Bild Rechts: Die Schweizer Delegation, Fly to Buy 1997

 Hintere Reihe VLNR: Rudolf Kaufmann (Industrial engineering) - Kurt Kohler (Swiss STINGER Project Manager) - WO Hans Hutmacher (Instructor, Gunner) - SWO Friedrich E Friedli (Technical Master Swiss STINGER Weapon System, Liaison Officer) - Colonel GS Matthias Weibel (Swiss Army STINGER Project Manager Swiss Army ) - WO Markus Riesen (Instructor, Gunner) - Mr Hegner (Engineer) - Paul Federer (Engineer)

Vordere Reihe VLNR: Edi Krebs (Swiss STINGER Quality Project Manager) - SWO Patrizio Marchiondi (Instructor, Gunner) - WO Pascal Badoux (Instructor, Gunner) - WO Guido Wildhaber (Instructor, Gunner) - Mr Schmed (Swiss STINGER Industrial Manager)

In all diesen Abnahmeschiessen auf BATS (Ballistic Aerial Targets, das sind Raketen kleiner Abmessung mit geringer IR-Signatur) zeigen sich die eingesetzten Schützen von der besten Seite. Alle bestehen sie jeweils auf Anhieb  die Zulassungsprüfungen im MTS (Moving Target Simulator). Das US-Personal ist verblüfft vom hohen Ausbildungsstand und vor allem von der Reaktionsschnelligkeit. Ein US-Regierungsvertreter bringt es auf den Punkt: „The Swiss Folks hit what they shoot at“!

(BATS)

Es gibt nicht nur überwiegend „Direct hits“ (Volltreffer) und „Near miss“ (Quasitreffer, die bei Flugzeugen infolge wesentlich grösserer Signaturen höchstwahrscheinliche Direkt-Treffer ergeben), sondern auch unsere Industrie erntete

   

(Direct Hit)

für die Lizenzfabrikation grösstes Lob. Alle Lose werden auf Anhieb abgenommen.

Die jährlichen Abnahmeschiessen werden bis 1997 dauern.

1995

Als Umsetzung des Armeeleitbildes von 1992 wird die Armee 61 in die Armee 95 überführt. Organisatorisch hat dies bei der Leichten Flab eine Vereinheitlichung aller L Flab Formationen der Divisionen, Panzer- und Festungsbrigaden zur Folge:

(Bitte Ikon anklicken um das Organigramm in voller Grösse zu betrachten)

Für den Schutz der Flughäfen Zürich und Genf sowie der Bundeshauptstadt mit dem Flugplatz Belp werden 3 Alarmformationen, die L Flab Lwf Abt 14, 15 und 16 mit je 2 L Flab Lwf Bttr aufgestellt.

Armee 95 hat auch einschneidende Auswirkungen auf die Ausbildung, indem, mit Ausnahme der Unteroffiziersschule (UOS), die Dauer der Schulen und Kurse massiv gekürzt wird. Die RS dauert jetzt noch 15 statt 17 Wochen und die Wiederholungskurse 2 statt 3. Einzig die UOS wird um 2 Wochen auf 6 verlängert. Die Ausbildung der Motorfahrer-Unteroffiziere der Flab RS 48/248 erfolgt jetzt zentral unter Leitung des Heeres (BALOG, Bundesamt für Logistik) in Burgdorf.

Seit der Erprobung der Lwf Systeme weiss man: Die herkömmliche Luftbeobachter- Organisation der L Flab kann nur eine Not- bzw Übergangslösung sein und muss insbesondere auch im Hinblick auf die geplante Nachttauglichkeit des Waffensystems mit einem allwetter- und nachttauglichen System ergänzt werden.

Auf einen solchen weiteren Ausbauschritt wurde deshalb schon in der Botschaft zum Rüstungsprogramm Stinger deutlich hingewiesen. Man beginnt daher mit der Evaluation und Erprobung von Alarmsystemen auf IR- und Radarbasis.

Es stellt sich rasch heraus, dass die auf Infrarottechnik (IR) beruhenden, passiven Systeme in unserem Gelände untauglich sind, weil die Falschalarmrate geländebedingt enorm hoch ist und die Bedienungsmannschaft sehr rasch abstumpft. Die zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stehenden Kleinradarsysteme sind entweder noch nicht produktionsreif bzw tun sich noch sehr schwer, insbesondere bezüglich Falschalarmrate, Resultatübertragung und Betriebssicherheit. Es wird deshalb beschlossen, den Markt zu beobachten und die Evaluation wieder aufzunehmen, sobald bessere Systeme angeboten werden.

Die Ausbildung bei der US-Army hat deutlich gemacht, dass die Ausbildung der Schützen ohne scharfen Schuss ungenügend ist (Bewältigung der Angst vor den ungeheuren Energien, die beim Abschuss des Lenkflugkörpers innert Sekundenbruchteilen - nur Zentimeter vom Kopf entfernt - freigesetzt werden). Wir verfügen hierzu weder über Schiessplätze mit der notwendigen Tiefe noch über ausrangierte Lenkwaffen in grosser Zahl wie die US-Armee (Redeye). Aus diesen Gründen wird die Entwicklung und Einführung des Abschuss-Simulators STINGER (STLS - Stinger Launch Simulator) auf der Basis des nicht mehr produzierten US-STLS in Gang gesetzt. Die Erprobung und schliessliche Einführung (1996) findet laufend in direkter Zusammenarbeit zwischen der Truppe und der RUAG Aerospace Emmen (ehemalige F+W) statt. Damit können noch während der Schlussphase der Entwicklung ganze Rekrutenjahrgänge bereits vom „scharfen“ Schuss profitieren.

1996

Die Schweizerische Fliegerabwehr feiert ihren 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass veranstaltete die Flab Br 33 unter Brigadier Cuche am 19. Oktober in Basel ein Flabkolloquium. Br Cuche vergleicht die heutigen schweizerischen Flabmittel im Internationalen Vergleich wie folgt:

  • Positiv:

    • Die Flabdichte im Verhältnis des zu schützenden Luftraumes ist hoch:

      • 9 Feuereinheiten (FE) Flab Lwf BL 64 Bloodhound

      • 56 FE Mob Flab Lwf Rapier

      • 90 FE Mittlere Flab 35 mm

      • 480 FE L Flab Lwf Stinger

      • 102 FE L Flab Kan 20 mm

  • Das Ausland in besserer Lage:

    • Zwischen der beachtlichen Reichweite sowie grossen Wirkungshöhe des Systems BL 64 und den eher kurzen Einsatzdistanzen der übrigen Waffensysteme (zwischen 1.5 und 7 km) sowie deren Einsatzhöhe klafft ein Loch

    • Die Tatsache, dass all diese Waffensysteme nicht über die Fähigkeit verfügen, Boden-Boden-Lenkwaffen und Luft-Boden-Lenkwaffen zu bekämpfen, ist ein grosser Nachteil

    • Die Bekämpfung von Trägerflugzeugen von Abstandswaffen kann nur unter sehr günstigen Verhältnissen rechtzeitig erfolgen (die geplante Einführung des Flugzeugs F/A-18 wird hier die Situation verbessern können)

    • Marschflugkörper können grundsätzlich bekämpft werden, sofern sie frühzeitig erfasst werden.

 

Stinger in der Hand von Warlords und Terroristen ist ein beklemmender Gedanke, denn mit einer einzigen solchen Waffe kann man einen internationalen Flughafen unter Kontrolle halten und ganz allgemein die internationale Luftfahrt mit geringstem Aufwand nachhaltig bedrohen.

Aus diesem Grund lässt die US-Regierung jährlich sämtliche Stinger-Bestände weltweit kontrollieren. Dieses Vorgehen wird beim Verkauf des Waffensystems jeweils vertraglich geregelt in einem „Memorandum of Understanding“.

Die erste solche Inspektion des schweizerischen L Flab Lwf Inventars durch US-Regierungsvertreter findet vom 20. bis 29. März in 16 Verwaltungsstellen und an 20 Lagerorten statt. Sie fällt erfolgreich aus.

1997

Am 30. Januar wird der Entschluss der Geschäftsführungskommission des EMD  bekannt gegeben, wonach per Ende Jahr die 20 mm Flab ausgemustert werden soll (Vorgezogene Massnahme im Rahmen des Armee-Optimierungsprogrammes "Progress"). Das Wehrbudget fällt von Jahr zu Jahr geringer aus und Sparen tut not. Der Ersatz von grösseren Losen 20 mm Munition drängt sich auf und auf Seite der Betriebskosten schlägt die Alterung des Materials immer mehr zu Buche. Die Luftwaffe muss ebenfalls auf Flugzeuge wie auch auf Flugstunden verzichten und kann die für eine effiziente Florett-Richtausbildung notwendigen Flüge nicht mehr erbringen. Es gab noch eine ganze Anzahl weiterer Gründe wie

  • Bestandeslücken (Unterbestände bis zu 30%)

  • Konzentration auf ein Waffensystem (Instruktorenmangel, Ausbildungseffizienz)

  • Abbau von Lärmemissionen auf den Flabschiessplätzen Brigels und Grandvillard

  • Kosteneinsparungen von 24 Mio Franken durch Umnutzung der Anlagen im Rahmen des laufenden Umbaus des völlig veralteten Flabschiessplatzes Brigels

Folge dieser Verkettung von Umständen: Die 20 mm Kanonenflab fällt der Finanz- und Bestandesnot zum Opfer und wird schweren Herzens per 31.12.1997 ausser Betrieb gesetzt.

 

Mit der Auflösung der 20 mm Flab auf Ende Jahr drängt sich eine Änderung des Umbauprojektes Schiessplatz Brigels auf. Bis zur Genehmigung des abgeänderten Projektes durch den Bundesrat im Juni werden die Bauarbeiten gestoppt und im Juli wieder aufgenommen. Die Umplanung sieht einen vollständigen Verzicht auf den Ersatz des Truppenlagers am jetzigen Standort vor. Das durch den Wegfall der 20 mm Flab im Schiessplatzgebäude frei werdende Volumen kann nun die notwendigen Unterkünfte mit zugehöriger Infrastruktur aufnehmen.

 

Technisch-taktische Erprobung von Wärmebildvisieren englischer und amerikanischer Herkunft. Von Anfang an stand fest, dass Stinger nach erfolgter Einführung in einem zweiten Schritt zu einem Nachttauglichen Waffensystem Ausgebaut werden soll.

 

Das letzte in der Schweiz in Lizenz produzierte Stinger-Los wird im Rahmen des 4. Los-Abnahmeschiessen in White Sands Missile Range (USA, New Mexico) erfolgreich abgenommen (Einzelheiten hierzu siehe 1994.

  Die zentralisierte Ausbildung der Motorfahrer-Unteroffiziere (siehe 1995) bereitet Schwierigkeiten wegen mangelnden Spezialkenntnissen. Nach verschiedene Aussprachen mit dem BALOG können diese weitgehend behoben werden.

1998

Nach der Ausserbetriebsetzung der 20 mm Flab werden zusätzliche UK zur personellen Aufstockung der Einheiten und Bildung einer dritten L Flab Lwf Einheit pro Abteilung durchgeführt.

1999

Beginn mit der flabweiten Einführung des elektronischen FEBEKO Systems 2000 (System zur schweizweiten automatischen Koordination von Fliegereinsätzen und Fliegerabwehrfeuer ab Einsatzzentrale bis auf die Stufe Feuereinheit)

 

In Brigels wird das altehrwürdige Flablager geschliffen und das Gelände eingeebnet.

 

Bilder: Blick auf das Lager vor dem Abbruch vom Schiessplatz aus und was davon übrig bleibt

2000

Die Wahl betreffend Nachtvisier fällt auf das eigens für Stinger konzipierte und auch schon von den US-Marines kampferprobte Wärmebildvisier (SNS Stinger Night Sight) von Raytheon. Die Einführung des STINGER Wärmebildvisiers (WBV) beginnt in Schulen und Kursen und dauert bis Ende 2001. Damit wird die Schweizerische Leichte Lenkwaffen Flab nachtkampftauglich und ist der zweite Ausbauschritt des Waffensystems abgeschlossen.

Stinger Schütze mit Nachtvisier  Visierbild des Nachtvisiers Stinger

(Bild links: Stinger mit aufgesetztem Nachtvisier - Bild rechts: Visierbild. Je wärmer und näher ein Gegenstand, desto heller wird er abgebildet. Der helle Punkt in der Mitte ist ein Kampfjet)

Die 1985 begonnene Evaluation von Alarm-Systemen musste, wie erinnerlich, mangels tauglicher Systeme unterbrochen werden. In der Zwischenzeit wurden die damals getesteten Radarsysteme noch leichter, handlicher und vor allem leistungsfähiger. Die Versuche mit diesen Kleinradar-Alarm-Systemen STINGER für die Alarmierung der STINGER-Feuereinheiten (ALERT) werden deshalb wieder aufgenommen.

2001

Abschliessende Versuche mit ALERT - Systemen und Typenwahl. Die Wahl fällt auf das System P-STAR von Lockheed-Martin NESS-Syracuse (N.Y.). Es wird auf einem speziell ausgerüsteten Standardanhänger 1 t installiert und kann mit einem 8 m Mast ab Anhänger oder mit dem Originalstativ betrieben werden. Es wurde speziell darauf geachtet, dass die Einsatz- und Betriebsabläufe im Rahmen  der Bedienungsmannschaft mit denjenigen der Stinger-Feuereinheiten identisch sind, was einen autonomen 24-Stunden-Betrieb ermöglicht. Das System wird aus einem 300 m  entfernten, geschützten rückwärtigen Raum heraus betrieben. Die Stromversorgung ist dank Nutzung neuartiger Technologien mit dem Datentransfer gekoppelt und kann autonom oder ab Netz und in beiden Richtungen, also vom Rückwärtigen Raum (Rw Rm) zum Radar oder vom Radar zum Rw Rm erfolgen.

Alarmsystem Stinger während den Truppenversuchen in den Freiburger Voralpen  Alarmsystem Stinger während den Truppenversuchen im Mittelland

(Das ALERT Kleinradar-System P-STAR: links ungetarnt in den Voralpen, rechts getarnt zwischen Obstbäumen bei Wangen a d Aare)

Ein Ausbildungssimulator wird ebenfalls ins Auge gefasst.

2002

Mit dem Rüstungsprogramm 02 wird die Beschaffung von 30 ALERT-Kleinradarsystemen P-STAR für die Frühwarnorganisation und entsprechenden Ausbildungssimulatoren beschlossen.

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Last Update: 04.11.2011