Periode Kalter Krieg

 

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Der Zeitabschnitt des "Kalten Krieges" ab 1952 bis 1980

Der Ost-West-Konflikt führte zur Bildung von zwei feindlichen Machtblöcken und dazugehörigen Militärbündnissen, der NATO und der Warschauer Vertrags-Organisation, die sich hochgerüstet gegenüberstanden und eine bipolare Welt dominierten. Die Entwicklung dorthin begann schon mit der Entstehung der Sowjetunion 1917, verfestigte sich aber erst seit dem Zerfall der Anti-Hitler-Koalition ab 1945 und der darauf folgenden Teilung Europas zu jenem Beinahe-Kriegszustand, der die Politik beider Seiten bis zum Zerfall der Sowjetunion 1991 massgeblich bestimmte. 1947 prägte der US-amerikanische Journalist Walter Lippmann dafür den englischen Begriff cold war.

Der Kalte Krieg war Ausdruck eines fundamentalen Systemgegensatzes: Zu den machtpolitischen Interessensphären, die auch sonst internationale Beziehungen bestimmen, traten konträre Ideologien. Aus westlicher Sicht standen dabei stets „Freiheit und Demokratie“ gegen „totalitäre Diktatur“ sowie „Marktwirtschaft“ gegen „Planwirtschaft“. Aus östlicher Sicht stand gegen das „Wolfsgesetz der Ausbeutung“ im „faulenden und parasitären Kapitalismus“ die von der Staatspartei realisierte „allseitige Entfaltung“ des „neuen Menschen“ im „Kommunismus“, der sich der Zukunft gewiss wähnte.

Die Periode des kalten Krieges war von einem beispiellosen Wettrüsten gekennzeichnet.

1952

Die Artillerie verfügte bisher pro Abteilung über einen Flabzug, dessen Kader und Mannschaften von dieser Waffengattung ausgebildet wurden. Ab diesem Jahr nun werden auf Verfügung des EMD vom 14. Januar die Kader und Kanoniere der Artillerieflab in den Rekruten- und Kaderschulen der „Blauen“ Fliegerabwehr in Payerne ausgebildet (mit Unterkunft in der Fliegerkaserne). Zusammen mit der Festungsflab werden sie in Zukunft auch Schiesskurse des AFLF absolvieren müssen.

1953

Die Stauwehr Flab Abteilung 121 hat sich führungsmässig als zu gross erwiesen. Auf den 1.1.1953 wird sie neu aufgeteilt wie folgt:

(Auf das Ikon klicken, um das Organigramm in voller Grösse zu betrachten)

Die direkt dem Kdt der Flab Waffe unterstellten Stauwehr Flab Abt sind stationär und  ihre Sollbestände den Aufträgen entsprechend unterschiedlich. Sie sind mit den 34 mm Flab Kan 38 W+F, den 20 mm Flab Kan 38 W+F sowie 7.5 mm Doppel Mg ausgerüstet.

7.5 mm Doppel Mg

(7.5 mm Doppel Mg)

Jede Batterie verfügt zudem über einen Wasseralarmzug und ein Hilfsdienst-Bewachungsdetachement.

Die Transportmittelzuteilung ist äusserst knapp bemessen. Die Tatsache, dass es sich nur um  Requisitionsfahrzeuge handelt, führt zu knappster Zuteilung auch in den WK.

 

Bisher wurde das Übermittlungspersonal der Flab zentral ausgebildet. Ab diesem Jahr nun geschieht das in den entsprechenden Rekrutenschulen.

1954

Das Jahr bringt mit der „20 mm Flab Kan 54 Oerlikon“ einen grossen Fortschritt für die Leichte Fliegerabwehr. Dieses moderne Geschütz 20 mm Flab Kan 54 Oerlikon im Einsatzmit einer Kadenz von 1000 Schuss/min und einer Vo von 1100 m/s stellt für den „Flabschirm“ bis 1500 m eine sehr leistungsfähige Bewaffnung dar. Damit liegt die L Flab gegenüber den Schwesterwaffen M Flab und Sch Flab wieder eine „Naselänge“ vorne. Die Einführung dieses hochmodernen Waffensystems geht reibungslos vor sich.

Es sollen mit 900 Geschützen dieses Typs in den kommenden Jahren alle Mob L Flab Bttr der Divisionen (9), der L Flab Abt 21, 25., 26 und der Artillerieflab umgerüstet werden. Auch die 20 mm Flab Kan 43/50 Drilling der Inf Flab Kp werden schrittweise auf Flab Kan 54 umbewaffnet.

(Bild: 20 mm Flab Kan 54 Oerlikon im Einsatz; hier in den 70er Jahren)

1957

Mit dem diesjährigen Rüstungsprogramm wird eine Folgebeschaffung von Flab Kan 54 bewilligt.

1959

Im steten Bestreben, die Luftverteidigung zu verbessern und Auszubauen, entstehen immer wieder Kontroversen. Die einen wollen mehr Kampfflugzeuge, die andern sprechen von Flablenkwaffen, wieder andere zweifeln an der Kanonflab. Eine Studie der AVIA-Flab (Vereinigung der Flab Offiziere) kommt unter anderem zum Schluss, dass „für die Bekämpfung tief fliegender Luftziele auf die Kanonenflab (Klein- und Mittelkaliber) auch in naher Zukunft nicht verzichtet werden kann“.

 

Die Werkeugmaschinenfabrik Oerlikon-Bührle AG hat einen 20 mm Vierlings-Flabpanzer entwickelt, der am 14. Mai auf dem Flugplatz Payerne im Rahmen des Defilés des 1. Armeekorps gezeigt wird. Er wird im Verlaufe des Jahres erprobt.

20 mm Vierlings Flab Panzer auf AMX Chassis

20 mm Vierlings Flabpanzer Oerlikon-Contraves auf AMX-Chassis

  Die letzten Einheiten der Mobilen Leichten Flab werden auf die 20 mm Flab Kan 54 umgeschult

1960

Das nach dem 2. Weltkrieg geschaffene Schleppfliegerkorps hat sich zu einem für die Flab-Schiessausbildung unentbehrlichen Instrument entwickelt. Von anfänglich 24 Piloten steigt der Bestand auf etwa 80 Flieger. Auf Beginn des Jahres 1960 wird nun der Verband als selbständiges Zielfliegerkorps 5 (ZFK 5) in die Organisation er FF Truppen eingegliedert.

1961

Mit der Truppenordnung 61 wird die Anzahl der Divisionen und damit der Mobilen Leichten Flab Abteilungen auf 12 erhöht.

1963

Die Motorisierung der Leichten Fliegerabwehr erfährt mit der Einführung des leichten Geländelastwagens „MOWAG 1 t“ wiederum eine Aufwertung. Dieses Fahrzeug ersetzt graduell die Dodge WC aus dem 2. Weltkrieg als Zugfahrzeuge der 20 mm Flab Kan 54. In der Version eines Funkwagens wird der MOWAG in den Leichten- und Mobilen Leichten Flababteilungen als Kommando-Funkwagen eingesetzt.

 

Erstmals erhalten die Kanonier-Rekruten der Flab das Sturmgewehr 57 als persönliche Waffe.

 

Die Flabzüge werden für die Übermittlung der Feuerleitbefehle der Feuerleitenden mit der Flab-Geschützlautsprecheranlage „Velektra“ ausgerüstet.

1964

Die L Flab Züge der Flugplatz-Flab werden auf die 20 mm Flab Kan 43/57 Dril umgerüstet. Die etwas langsame Seitenricht-Einrichtung der Drillingskanone 20 mm 43/50 wurde mittlerweile mit Pedalen modifiziert. Daraus entstand 1957 die 20 mm Flab Kan 43/57 Dril.

20 mm Flab Kan 43/57 Drilling (Hispano-Suiza)

20 mm Flab Kan 43/57 Drilling (Hispano-Suiza)

1965

Im März erscheint die „Wegleitung für den taktischen Einsatz der Flab Kp“ von Oberst Wettstein, dem legendären Kommandanten der Inf Flab Schulen in Chur und Erbauer der Fliegerbeschussanlagen im Churer Rossboden und im Gasterntal. Damit gibt die Inf Flab ihrer Truppe eine Ausbildungsgrundlage in die Hand, um die sie von vielen „Blauen Fläblern“ beneidet wird. Letztere müssen allerdings noch 9 Jahre warten, bis sie endlich über etwas ähnliches verfügen werden.

 

Für die Richterausbildung der 20 mm Flab Kanoniere werden neue Ausbildungsanlagen projektiert sowie Versuche mit Fernsehkameras und Bildspeichergeräten eingeleitet (TV-Anlage). Die Idee ist, an Stelle des Okulars des Visierkontrollspiegels eine Kamera zu montieren und die Richtarbeit des Kanoniers für die darauf folgende, detaillierte Besprechung aufzuzeichnen. Die TV-Anlage wird denn etwa 10 Jahre später auch eingeführt, doch stets nur ungern genutzt. In der Tat stellt sie sich als schwerfällig heraus, benötigt eine gewisse Infrastruktur, entpuppt sich als technisch sehr anfällig und auch als nicht einfach einzurichtende und zu betreibende Ausbildungsanlage. Die grösste Schwäche liegt darin, dass sie personalintensiv und zeitraubend ist. Es sollte sich auch bald einmal herausstellen, dass die meisten Milizkader nicht in der Lage sind, die Aufzeichnungen richtig zu interpretieren und dem Kanonier aufzuzeigen, was er nun anders bzw besser machen soll. Andererseits verbietet der später chronische Personalmangel im Instruktorenkorps die permanent notwendige Abzweigung von Instr Personal für diese Ausbildung. Die Anlage wird deshalb immer häufiger für die Bereitstellung von Anschauungsmaterial für Übungsbesprechungen  im Rahmen von felddienstlichen Einsätzen „missbraucht“ und schliesslich vom Bundesamt für andere Zwecke wieder zurückgezogen. Aus diesem  typischen „Flop“ hat man für später immerhin gelernt, dass den Entwicklern komplexer Ausbildungsanlagen unbedingt auch erfahrende Fachinstruktoren zur Seite gestellt werden müssen.

1966

In der Flab RS 232 in Payerne schlägt die Maul- und Klauenseuche zu. Die RS ist unter Quarantäne. Wiederholungskurse werden wegen dieser Seuche verschoben.

 

Die Flab RS 52/252 wird gegründet und im eigens hierzu im Bereich nördlich der Flab Kaserne aufgestellten Flablager Payerne untergebracht. Diese "Motorfahrer-RS" soll die bisher im Rahmen von 2 Kolonnen in der Flab RS 32/232 erfolgten Motorfahrerausbildung übernehmen.

 

Zum Schutz der Höhenstellungen der Flieger-Radar Kp wird die Beschaffung der 20 mm Flab Kan 54/60 Oerlikon auf Sockellafette eingeleitet.

20 mm Flab Kan 54/60 Zwilling

 

Die Telemeter der L Flab fallen den neuen Fliegertaktiken zum Opfer. In der Tat will diesen die rechtzeitige Distanzmessung z.B. gegen Tieffliegerangriffe nicht gelingen, so dass diese Geräte schrittweise liquidiert werden.

  Per 1.1.1966  treten die „Weisungen für die Ausbildung in den Inf Flab Schulen und –Schiesskursen“ (WA Inf Flab) in Kraft. Auch dieses Reglement gibt der Infanterieflab in mancher Beziehung eine Nasenlänge Vorsprung auf die „Blaue Flab“, insbesondere im Bereich der drillmässigen Schiessausbildung und der Zielregeln.

1968

Am 1.2.1968 beginnt mit der Schaffung eines der Abteilung für Flugwesen und Fliegerabwehr (AFLF) übergeordneten Kommandos der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen (KFLF) für die FF Truppen eine neue Kommando- und  Verwaltungsära. Diese Reorganisation führt zur Trennung von Führung und Verwaltung und das Kommando kommt einem 5. AK (Armeekorps) gleich.  Die Schaffung eines solchen Korps wurde indessen bereits früher abgelehnt. Ab diesem Moment ist der Kdt der FF Trp nicht mehr Kommandant und Waffenchef in Personalunion wie bisher, sondern der Chef der Abteilung für Flugwesen und Fliegerabwehr im KFLF ist neu der Waffenchef.

 

Bitte hier klicken um das Organigramm KFLF / AFLF in voller Grösse zu betrachten

Am 13. Juni beschliesst die Kommission für militärische Landesverteidigung wegen verschiedener Schiessunfälle die Ausserbetriebsetzung der 34 mm Flab Kan 38 W+F und Umbewaffnung der betroffenen Einheiten durch 20 mm Flabgeschütze.

Mai/Juni 86: Die Jugend revoltiert. Der gesellschaftliche Umbruch, der sich in den 1960er Jahren abzuzeichnen beginnt, hinterlässt auch in der Schweiz unter dem Einfluss der weltweiten Protestbewegungen Spuren. Der soziale Wandel führt zu liberaleren Anschauungen und bisher unbekannten Freiheiten, die im Widerspruch zu bestehenden Abhängigkeiten und Zwängen stehen.

Den Auftakt zu den 1960er Unruhen in Zürich brachten Konzerte, die in Krawallen mit der Stadtpolizei enden (Gastspiel der Rolling Stones am 14. April 1967, Konzert von Jimi Hendrix 31. Mai 1968). Am Wochenende des 30. und 31. Juni 1968 wird Zürich dann zum Schauplatz blutiger Strassenschlachten, als die Polizei das von Jugendlichen besetzte und als Jugendhaus eingeforderte Globus-Provisorium räumt («Globus-Krawalle»).

Die mentalitätsmässigen und kulturellen Folgen des Aufbegehrens gegen etablierte Werte durch eine Minderheit sind beträchtlich und werden auch in die Armee hineingetragen. Instruktoren und Milizkader haben mitunter ihre liebe Mühe mit renitenten Rekruten und Soldaten, Agitatoren und Soldatenkomitees. Auch die Schulen und Kurse der Leichten Flab bleiben nicht verschont von den Opponenten, deren Alternativkultur inzwischen offiziell anerkannt und lebendig ist, deren neue Lebens- und Wohnformen breit akzeptiert sind.

 

 

Der 3t Frontlenker "STEYR" ersetzt in den Mobilen Leichten Flab Abteilungen den mittleren Geländelastwagen 4x4 3.5 t.

1969

Die Flab Züge (mit 20 mm Flab Kan 54/60 Sock Laf) zum Schutz der Höhenstellungen der Flieger-Radar-Kp werden aufgestellt und in den Rekrutenschulen Payerne ausgebildet.

 

Die Schiess-Schule für angehende Abteilungskommandanten und Sualternoffiziere der L Flab wird selbständig und gelangt fortan in Chur/Flims (mit Flabschiessplatz Brigels) zur Durchführung.

1970

Zu Beginn der 70er Jahre wird das Instruktionspersonal der Flab Trp nach den schwierigen Anfangszeiten der „Nur Flabdiensttauglichkeit“ (Siehe WK II "Die Mobilmachung") wieder mit Problemen der Disziplin, der Haltung, des Auftretens und „Nebensächlichkeiten“ wie Haarlänge in Atem gehalten. Der so genannte „Oswald-Bericht“ will die militärischen Formen der Zeit angleichen. Diese war gekennzeichnet von zunehmenden Dienst- und Befehlsverweigerungen, Munitions- und Waffendiebstählen, aber auch zunehmendem Drogenmissbrauch in Schulen und Kursen. Statt die „Schraube anzuziehen“ wird (längst nicht nur bei den Flab Trp) von vielen Kommandanten und Kadern der neu empfohlene Führungsstil angenommen, obwohl es sich nur um eine Empfehlung handelt und das (immer noch) gültige Dienstreglement in keinem Buchstaben eine Änderung erfuhr. Es dauert Jahre, bis Ordnung und Disziplin wieder einigermassen ins Lot gebracht werden können.

Das offene Visier der 20 mm Kanonen 54 und 43/57 Drilling genügt der heutigen Fliegertaktik, insbesondere dem Beschuss von Flugzeugen im Erdzielangriff und von Tiefüberflügen nicht mehr. Die Strichplatten (Plexiglas-Visier für Schönwetter) werden deshalb mit geeigneten Objektschutzkurven und Tiefflug-Kurven versehen und heissen jetzt "Strichplatten 70". Erstere beziehen sich auf die Distanz zwischen dem zu schützenden Objekt und der Geschützstellung und erleichtern die richtige Vorhaltegabe ganz erheblich. Die vier Tiefflugkurven sind verschiedenfarbige Striche und beziehen sich auf die Flughöhe über Grund eines über- oder vorbei fliegenden Tieffliegers in 50 m - Sprüngen (50 bis 200 m ü G). Diese neuen, auf den Original-Strichplatten eingravierten Hilfsmittel sind für die Truppe eine grosse Hilfe.

 

Die Kanoniere der 20 mm Flab werden mit Splitterschutzwesten ausgerüstet (Korpsmaterial).

 

Die Leichten Flab Abteilungen 22, 23 und 24 werden von der 20 mm Flab Kan 38 auf die 20 mm Flab Kan 43/47 Drilling umgerüstet.

1971

Ab Herbst dieses Jahres wird in Savièse nicht mehr gerichtet und geschossen. Da das Gebiet des Schiess-Sektors immer mehr für den Tourismus erschlossen wird, erneuerten die Schiessplatzgemeinden den Vertrag nicht mehr.

 

Die L Flab erhält mit den leichten Geändelastwagen  PINZGAUER 4x4 1t und 6x6 1.5t neue Zugfahrzeuge für die 20 mm Flab Kan.

1972

Die Stauwehrflab wird aufgelöst.

Im Zuge der Aufstellung des Flab Rgt 8 wird die L Flab Abteilung 28 geschaffen.

Die 126 Leichten Flabzüge der Artillerie werden herausgelöst und in die Mob L Flab Bttr integriert.

Die Mobilen Leichten- und die Leichten Flab Abteilungen verfügten bisher nur über einen „aufgeblähten“ Stab (Offiziere des Stabes, Übermittlungs- und Sanitätspersonal). Ab diesem Jahr werden nun Stabsbatterien aufgestellt. Der Luftbeobachterzug wird aus Personal der Flab Bttr rekrutiert.

Die Mobile leichte Flab Abteilung sieht jetzt wie folgt aus:

(Auf das Ikon klicken, um das Organigramm in voller Grösse zu betrachten)

Im Hinblick auf diese Organisation wurden im Rahmen der Felddienste der Flab Rekrutenschulen Payerne Versuche mit Flabzügen à 3 Gruppen zu 6 Geschützen (Züge der Batterie Typ B) angestellt. Der Chronist war an diesen Versuchen beteiligt und kann sich gut erinnern, dass die Erfahrungen mit solchen Zügen nicht befriedigend ausfielen. Im Versuchsbericht überwogen die negativen Berichtspunkte. Trotzdem hat man die Bttr Typ B eingeführt, was bei einer späteren Neuorganisation allerdings wieder rückgängig gemacht wurde.

 

Die alte Flab Kaserne Payerne wird herausgeputzt und präsentiert sich nun endlich in Weiss und nicht mehr im demoralisierenden Dunkel-Feldgrau. Auf dem Flab-Areal wird eine Mehrzweckhalle gebaut und der Truppe, aber auch den Payerner Sportvereinen zur Verfügung gestellt.

  Im Bereich der Ausbildung erfolgt zwischen der „Blauen und Grünen“ Flab eine gegenseitige Angleichung. Die Blaue Flab übernimmt gewisse Schiessregeln und die Methoden der drillmässigen Schiessausbildung (insbesondere das Kurzdistanzschiessen sowie das Schiessen auf die Fliegerbeschussanlagen Chur und Gasterntal, die bisher ausschliesslich der Inf Flab vorbehalten waren).

1974

Als Ergebnis der 1964 eingeleiteten Planung neuer Ausbildungsanlagen für die 20 mm Flab erfolgt die Einführung der Zielfehleranzeige-Anlage FLORETT (ZFA 64). Zunächst wird eine Prototypanlage Florettgeschütz mit Monitorbeschafft. Durch Rechnergesteuerte Vermessung der Flugvektoren mittels Radar, Messung der Elevations- und Seitenwinkel im Moment der Schussauslösung sowie Vergleich aller Daten berechnet der Computer die Ist- und Sollwerte. Diese werden dem Kanonier zeitverzugslos in Form eines Visierbildes auf einem geschütznahen Monitor grafisch dargestellt. Die im nächsten gleichen Flug zu berücksichtigenden Korrekturen erscheinen auf dem Monitor auch numerisch. Das ist ein ganz entscheidender Schritt zu einer weltweit Florett Monitorstark beachteten, hervorragenden Richtkanonier-Ausbildung mit echten, taktischen Jet- und Helikopterflügen. Die Schiess- und Richtausbildung erfuhr mit diesem System eine in zeitlicher Folge nie da gewesene Intensität. Erfinderische Adjutanten überbrücken mit Hilfe von Lastwagen sogar Schlechtwetter-Perioden , in welche sie grosse, Radar reflektierende Bleche einbauen lassen. Damit kann auch die Erdzielbekämpfung erfolgreich trainiert werden.

(Bilder: Oben ein an Florett angeschlossenes Geschütz mit Monitor; unten der Bildschirm mit den Ist- und Sollanzeigen sowie den Korrekturangaben)

 

Als Folge der gegenseitigen Annäherung „Blau-Grün“ (1972) erhalten die L Flab Schulen der „Blauen Flab“ technische Ausbildungsgrundlagen in Form von zwei Behelfen:

  • Behelf 56.57 „Organisation und Einsatz der L Flab“, der entscheidende Schritt zu einer vereinheitlichten Ausbildung der „Blauen L Flab“; das Werk geht zurück auf die Ausbildungsvorschriften der Inf Flab Schulen von 1965/1966

  • Behelf 56.580 „Schiessen L Flab“, eine wahre Enzyklopädie des L Flab Schiessens; das Werk erscheint  auf Initiative des legendären Obersten Otto Gassler und wird der L Flab in der Zukunft entscheidende Impulse in Bezug auf die Schiessfertigkeit geben.  

 

Ein weiterer grosser Schritt in Richtung einer wesentlich besseren taktischen Ausbildung ist die Einführung des Behelfs für die Kanonenfliegerabwehr, Teil I „Fliegertaktik“. Hier sind erstmals die Taktik des Gegners anschaulich dargestellt und für die Ausbildungsbelange der Flab aufbereitet. Bisher mussten initiative Instruktoren sich dieses Wissen bei Pilotenkameraden erfragen.

1975

Die Strichplatten 70 brachten bereits eine wesentliche Verbesserung der Schiessleistungen. Zwei grosse Nachteile blieben jedoch bestehen: Die Plexiglas-Strichplatte war nur für Schönwetter geeignet und das Metallvisier konnte nicht angepasst werden.  Der zweite und entscheidende Punkt war die Tatsache, dass das Visier für die Fliegertaktik der Nachkriegsjahre auf eine Treffdistanz von 1500 m bei einer Elevation von 800 o/oo justiert war. Die ZFA Florett hatte deutlich gezeigt, dass das nicht mehr den neuen Fliegertaktiken entsprach. Beim Beschuss von Helikoptern auf die maximale Schussdistanz von 2000 m zeigte Florett durchwegs zu tief liegende Serien an und die 2. Serie auf Jets lag logischerweise in den meisten Fällen zu hoch.

Die genannten, gravierenden Probleme führen zu Versuchen mit einem neuen Visier und einem durch Einbau eines Schusswinkel-KorrekturhebelsFlab Visier 75 mit Ziellineal für die genaue Zielzuweisung modifizierten Richtgestänge. Das neue, so genannte „Delta-Visier“ oder Flab Visier 75 ist ein Reflexvisier und bringt eine beträchtliche Leistungssteigerung gegen Tiefflieger und die Helikopterbedrohung. Das Militärbudget 1975 erfährt viele Abstriche und alle Flabpostulate werden, glücklicherweise mit Ausnahme des Flabvisiers 75, zurückgestellt. Die Auslieferung und Modifizierung des Richtgestänges der Flab Kan 54 soll per 1977 abgeschlossen sein.

(Bild: Flab Visier 75 mit Ziellineal für die genaue Zieleinweisung. Man kann erkennen, dass ein Filter vorgeklappt und das Erdzielvisier eingeschwenkt ist. letzteres erlaubte ein äusserst genauer Beschuss von Bodenzielen und schwebenden Helikoptern. Vorne sind das Batteriekästchen und das aufgesetzte Beleuchtungspotentiometer erkennbar. Damit konnte die Strichplatte beleuchtet werden, was Nachteinsätze auf Bodenziele ermöglichte)

1976

Mit dem Kriegsmaterialbudget dieses Jahres werden zwei weitere Zielfehleranzeige-Anlage FLORETT (ZFA 64) beschafft. Mit der nun ausgereiften ZFA 64 können gleichzeitig 80 Geschütze betrieben werden.

1977

Die Inf Flab RS in Chur wird vom AFLF übernommen.

Die Sanierung des Flabschiessplatzes Grandvillard wird in Angriff genommen. auf dem Platz und im Flablager sind Um-, aber auch Neubauten für Unterkunft, Ausbildung und Schiessbetrieb geplant.

Mit dem Kriegsmaterialbudget dieses Jahres werden nochmals zwei weitere Zielfehleranzeige-Anlage FLORETT (ZFA 64) beschafft. Eine der Anlagen wird zeitweise auch für die Richtübungen mit den 20 mm Flab Kan auf Schützenpanzer der Panzergrenadiere in Bure abgestellt.

Das Flab Visier 75 und die Flab Kan 54 mit modifiziertem Richtgestänge wird termingerecht ausgeliefert. Damit beginnt in Rekrutenschulen und Schiesskursen unverzüglich die Umschulung, welche ohne Schwierigkeiten verläuft und die erwartete Leistungssteigerung der 20 mm Flab bringt.

1979

Die „grünen“ Infanterie-Flabformationen werden „blau“ und als 5. Einheit in die Mob L Flab Bttr überführt. Die Fliegerabwehr-Kompanien der Grenzbrigaden verbleiben in diesen Grossen Verbänden, werden aber auch "Blau" und heissen jetzt Batterien.

Damit erfolgt wieder eine Neuorganisation der Mobilen Leichten Flab Abteilung. Das ist die Gelegenheit, die 1972 wider besseres Wissen eingeführten Züge à 6 Geschütze wieder aufzulösen.

Die Abteilung hat also jetzt 5 Geschützbatterien zu 4 Zügen à 6 Geschütze. Die Batterie 1 ist vom Typ A (was jetzt „Auszug“) bedeutet, die andern vom Typ B (Auszug und Landwehr gemischt).

Am 1. Juni wird die Abteilung für Flugwesen und Fliegerabwehr (AFLF) zum „Bundesamt für Militärflugwesen und Fliegerabwehr“ (BAFF) umbenannt.

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Am 13. November ist die Sanierung des Flabschiessplatzes Grandvillard mit der Übergabe an die Truppe abgeschlossen. Der Vorsteher des EMD war bei der Einweihung dabei.

1980

Die Inf Flab RS Chur wird zur Flab RS 247, welche auf dem inzwischen modernisierten Flabschiessplatz Grandvillard stationiert wird und jeweils als Sommerschule zur Durchführung gelangt. Das Instruktionspersonal der Infanterie kann nicht mit übernommen werden, so dass diese Schule jeweils mit Lehrpersonal der Flabschulen Payerne bestückt werden muss.

 

Die Erfahrung hat gelehrt, dass die Einsatzbedingungen der Zwillings-Geschützmannschaften auf den Höhenstellungen - diese liegen durchwegs zwischen 2000 und 3000 m ü M - unter gewissen Wetterbedingungen nicht zumutbar sind. Es wird daher ein Kredit von 2 Millionen Franken  zur Beschaffung von speziellen Wetterschutzkuppeln bewilligt.

 

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Last Update: 04.11.2011