Armee XXI

 

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2003

In der 6. RS-Woche, Flab RS 48/248 (Flab Motorfahrerschule Payerne) - am 21. August – findet die Auflösungsfeier dieser Schule statt. In  der Tat hat man im Rahmen der Neuorganisation Armee XXI die Auflösung dieser Schule beschlossen. Der letzte RS-Tag fällt auf den 24. Oktober 2003. Die gesamte Fahrerausbildung Kategorie III (schwere Motorwagen über 3.5 t) wird in Zukunft zentralisiert beim Heer auf den Waffenplätzen Drognens und Wangen a A stattfinden. Diesem Beschluss ging ein eigentlicher Machtkampf zwischen Heer und Luftwaffe voraus.

 

Am 20. Dezember wird in Avenches der Startschuss für den Weg der Fliegerabwehr in die Zukunft gegeben. Im Hinblick auf die Luftwaffe XXI überführt  Korpskommandant Fehrlin im Rahmen einer schlichten Feier die Fliegerabwehrbrigade 33   in den Lehrverband Flab 33.

2004

Ab 1. Januar wird unter der Bezeichnung „Schweizerische Armee XXI“ (A-XXI) ein tief greifender Umbau unseres Wehrwesens in Angriff genommen. Damit wird die Fähigkeit der Armee sichergestellt, einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit der Schweiz, zum Schutz ihrer Bevölkerung und zur Stabilität ihres strategischen Umfeldes zu leisten. Die Reform ist nötig, weil mit der bestehenden Armee diese Aufträge nicht optimal erfüllt werden können. Der zentrale Auftrag bleibt die Verteidigung des Landes gegen militärische Bedrohungen.

Auch die Leichte Fliegerabwehr unserer Armee - nun unter der Appellation „Sichtwetterflab“ - bleibt von der Reform nicht verschont. Sämtliche, dem Rotstift nicht zum Opfer gefallenen Flab Formationen, aber auch die Rekrutenschulen, Kaderschulen und -kurse finden sich unter der Dachorganisation „Lehrverband Flab 33“ wieder.

Der Lehrverband Flab 33 (LVb Flab 33) stellt die Grundbereitschaft aller Flab Formationen der Armee sicher. Dies geschieht in den beiden Lehrgang-Kommandos in Emmen für die Allwetterflab und in Payerne für die Sichtwetterflab. Das Kommando „Lehrgang Flab Verbund“ führt die Formationen in den FDT (WK).
Der Bereich "Planung/Grundlagen/Controlling" stellt die einheitliche "Spartendoktrin" für alle Belange des Einsatzes und der Ausbildung der Flab sicher.
Der Bereich "Ressourcen" stellt die personellen und materiellen Mittel bereit.
Der Bereich "Stabsdienste" steuert die Geschäfte des Lehrverbandes, ist Kontaktstelle für Kommunikation und Internationales und setzt den Milizstab ein. Die Organisation des Lehrverbandes Flab 33 präsentiert sich wie folgt:

(Bitte auf das Ikon klicken, um das Organigramm in voller Grösse zu betrachten)

 Es fällt auf, dass:

  • unter dem Kdo Sichtwetterflab die Grundausbildung (Stinger) in 3 Rekrutenschulen, 3 Unteroffiziers- und 3 Offizierslehrgängen zur Durchführung gelangt. Die Ausbildung vom Rekrut bis zum Leutnant erfolgt nun also sehr zielgerichtet und vernetzt und vor allem einheitlich. Die allgemeine Offiziers-Grundausbildung dagegen erfolgt mit A‑XXI zentral für alle Waffengattungen

  • nun auch die Formationen (also die Abteilungen und deren Batterien) unter einheitlichem Kommando stehen. Das Kommando LG (Lehrgänge) Flabverbund FDT (Fortbildungs-Dienste der Truppe) sorgt dafür, dass stets grundbereite Formationen (also Feuereinheiten, Batterien und Abteilungen) bereitstehen.

Die Grundgliederung des LVb Flab 33 zeigt, dass noch 8 L Flab Lwf Abteilungen mit insgesamt 288 Feuereinheiten in die A-XXI „herübergerettet“ werden konnten:

(Bitte auf das Ikon klicken, um die Grundgliederung in voller Grösse zu betrachten)

Auch die Ausbildung wurde völlig überarbeitet und in den Abläufen wieder revolutioniert. Sie erfolgt im Rahmen und unter Aufsicht des LVb Flab 33. Dieser hat den Auftrag, die Grundbereitschaft - also die Fähigkeit Flab Aufträge zu erfüllen - aller Formationen sicherzustellen.

Dies wird mit einem kontinuierlichen Ausbildungsprozess erreicht, welcher in den Rekrutenschulen beginnt und in den Fortbildungsdiensten der Truppe (FDT) vervollständigt und auf dem verlangten Niveau gehalten wird.

  • Die Allgemeine Grundausbildung (AGA)

Mit der AGA erfolgt die Ausbildung zum Soldaten. Die AGA umfasst u.a. die militärischen Formen und Grundkenntnisse, die Ausbildung an der persönlichen Waffe, die Ausbildung in Selbst- und Kameradenhilfe ("Sanitätsdienst").

  • Die Fach Grundausbildung (FGA)

Die FGA befähigt den Soldaten seinen "Job" an seiner Waffe oder an seinem System zu erfüllen. In der FGA erfolgt die Ausbildung zum Kanonier, Lenkwaffenschützen, Radarist oder Übermittler. Das Produkt dieser Phase sind Feuereinheiten der M Flab, Mob Flab Lwf und L Flab Lwf.

  • Die Verbandsausbildung I (VBA I)

Die Feuereinheiten werden zu Flab Taktischen Einheiten zusammengefasst und trainiert. Damit entstehen jene Module, die durch die Flab Kampfgruppe eingesetzt werden.

  • Die Verbandsausbildung II (VBA II)

Im Fortbildungsdienst der Truppe werden Feuereinheiten, Taktische Einheiten und Kampfgruppenstäbe überprüft und - wo nötig - wieder auf den verlangten Standard gebracht.

In der dritten WK Woche wird im Rahmen einer Übung der Einsatz der Kampfgruppe trainiert.

Das revolutionierende an dieser Verbandsausbildung ist, dass man mit dem Grundmodul „Feuereinheit“ (FE) arbeitet und dieses erst dann zu dieser zugelassen wird, wenn jedes Mitglied durch Prüfung bewiesen hat, dass es das Waffen- und Gerätehandwerk beherrscht und die FE als Ganzes die Prüfung über sämtliche Einsatzabläufe bestanden hat. Sinngemäss gilt dies für den Zug (der, einmal im Einsatz, zur logistischen Einheit wird, weil die FE autonom sind) und für die Batterie. Weil die Feuereinheit ein beliebig auswechselbares Modul ist, garantiert diese Methode, dass für den Einsatz stets genügend „Grundbereite Formationen“ zur Verfügung stehen.

Der Einsatz der L Flab Lwf erfolgt – wie überhaupt bei den Schwesterwaffen -  nicht mehr artrein. In der Tat entsteht die Gefechtsleistung der Bodenluftverteidigung (BODLUV, so nennt man mit A-XXI die Flab als Ganzes) aus dem Zusammenwirken mehrerer fliegerabwehrtaktischer Einheiten, deren Einsatz im Rahmen eines "Clusters" (einsatzbezogener Waffenmix aus M Flab, Rapier und Stinger) erfolgt.

Die Zusammensetzung dieser Flab-Cluster erfolgt also gewissermassen im Baukastenprinzip. Der Lehrverband Flab 33 (LVb Flab 33) liefert dazu die notwendigen Flab Formationen in grundbereitem Zustand.  Damit wird nun auch der Zusammenhang zwischen der oben dargelegten Ausbildungsmethode des Bereitstellens einer genügenden Anzahl „Grundbereiter Formationen“ für den „Baukasten“ und dem System der Clusterzusammenstellung deutlich. Es braucht wohl kaum immer alle FE gleichzeitig, also muss man sich wirklich die Zeit nehmen, schwächere Module weiter zu trainieren bis sie „Baukastenreif“ sind.

Die Ausbildungsstandorte der Sichtwetterflab bleiben Payerne, Grandvillard und Brigels.

2004

Vom 15. bis 25. Juni findet in Şile (ein bekannter türkischer Badeort am Schwarzen Meer, 50 km von Istanbul entfernt) das erste Munitionsüberwachungsschiessen Stinger statt. Mit diesem logistischen Bedürfnis kombinierte der Kdt des Lehrverbandes Flab 33 das Ziel, Ausbildung und Gefechtstechnik im scharfen Schuss und unter erschwerten Bedingungen zu überprüfen.

Die bisher durchgeführten Stinger-Schiessen waren so genannte Produktions-Abnahmeschiessen (oder auch „Fly to Buy“, siehe Jahr 1994). Diese mussten vertragsgemäss unter Leitung der Entwicklerfirma in den USA stattfinden, wo die hierzu nötigen Kontroll- und Messausrüstungen vorhanden sind. Für die Munitions-Überwachungsschiessen dagegen ist diese Auflage nicht mehr zwingend.

Aus diesem Grund holt man in Spanien, in den USA, aber auch bei der NAMSA (NATO Maintenance Supply Agency) Offerten für die Benützung eines Lwf Schiessplatzes ein. Die Wirtschaftlichkeitsanalyse fällt klar zu Gunsten der NAMSA-Offerte mit dem türkischen Schiessplatz Şile aus. Dies ist der Grund, weshalb das Schiessen schliesslich unter der offiziellen Bezeichnung MPC STI 2004 (Missile Practical Camp Stinger) in der Türkei zur Durchführung gelangt. Direkter Ansprechpartner ist die NAMSA und nicht die türkische Armee, mit welcher keine direkte Zusammenarbeit vorgesehen ist.

Material und Lenkwaffen werden im Auftrag der NAMSA mit einer Hercules C-130 der türkischen Luftwaffe nach Istanbul überflogen und per Strassentransport auf den Schiessplatz gebracht.

Die Kampagne wird vor Ort von einem Vorausdetachement vorbereitet und beinhaltet nebst den obligaten Briefings und Debriefings (Einsatzbesprechungen vor und nach den Missionen):

  • Vorbereitendes Training und Selektion der Schützen am Schiess-Simulator Stinger vor jeder Schiess-Mission

  • 3 Schiess-Missionen, teilweise unter erschwerten Bedingungen (zum  Beispiel unter IRCM-Bedingungen (Infra Red Counter Measures = Infrarot Gegemassnahmen) und mit dem SNS (Stinger Night Sight = Nachtvisier Stinger)

  • 3 Seminare zur Validierung der aktuellen Ausbildungspläne und Reglemente.

Die Kampagne wird truppenseitig vom Kdt des Lehrverbandes 33, Brigadier Weibel, geleitet. Das Detachement setzt sich aus 5 Berufsoffizieren und ‑unteroffizieren zusammen.

Insgesamt werden 8 Lwf gegen die taktische Zieldrohne des Typs „Banshee“ verschossen. Das Resultat ist aus logistisch-munitionstechnischer Sicht erfolgreich. Der Ausgang der Schiesskampagne bestätigt auch die Praxistauglichkeit sowie den guten Stand der Schützen-Ausbildung (NATO-Personal dixit ...). Das Schiessen deckt aber auch vereinzelte Verbesserungsmöglichkeiten für die Ausbildung auf.   

Hier klicken für mehr Einzelheiten und  Bilder über das erste Mun Überwachungsschiessen Stinger.

2006

Die erzwängte Zentralisierung der Fahrerausbildung Kat III unter Leitung des Heeres - sie hatte die Auflösung der Flab RS 48/248 zur Folge, siehe 2003 - erweist sich nun für die Fliegerabwehr wie vorausgesagt als schlechte und teure Lösung. In der Tat führt die mangelnde Spezialkenntnis und Routine der Fahrer zu teuren Schäden an Flabmaterial wie z B Geschütze und Feuerleitgeräte der M Flab! In der Flab RS 48/248 lernten die Flab Motf die Transport-Besonderheiten des Flabmaterials  kennen und übten den Umgang mit diesem teuren Gerät während so genannten Flab-Fahrverlegungen.

 

Im April startet die Einführung des Kleinradar-ALERT-Systems Stinger im Rahmen eines Instruktorenkurses in Torny, der ehemaligen BL-64-Lenkwaffenstellung. Diese wurde u a eigens für diese Ausbildung neu hergerichtet. Die Rekrutenausbildung an diesem System und die Umschulungskurse in den FDK beginnen in der 2. Jahreshälfte.

  

Bild links: ALERT Simulator im Endaufbau in der ehemaligen BL-64 Lenkwaffenstellung FR (Torny); links Herr Kurt Kohler, Projektleiter (PL) ArmaSuisse (er war auch PL Stinger), rechts Herr Christians, PL und Verkaufsleiter der Firma RUAG COEL GmbH in der BRD zusammen mit einem Entwicklungsingenieur

Bild rechts: Im Hintergrund Herr Märki, Sachbearbeiter Sim im LVb Flab 33 an der Instruktorenstation

2007

Im Rahmen einer bi-nationalen Kampagne findet auf dem Schiessplatz NAMFI auf Kreta (Griechenland) vom 23. – 26.10.07 die Gemeinsamer Deutsch-Helvetischer Badge der Operation "Open Spirit"Operation „OPEN SPIRIT“, ein gemeinsames taktisches Fliegerabwehrschiessen der Deutschen und Schweizer Luftwaffe statt. Im Verbund mit dem Fliegerabwehrraken-Geschwader 5 aus Deutschland, ausgerüstet mit dem Flugabwehr-Rakentensystem Patriot , nimmt daran eine Schweizer Flab-Kampfgruppe mit dem Rapier-Lenkwaffensystem und 2 Alarmsystemen Stinger der L Flab Luftbeobachterzüge teil.

Für die Schweizer Kampfgruppe - mehrheitlich mit freiwilligen Angehörigen der Armee im WK-Dienst bemannt -  ging es im wesentlichen darum, zentrale Aspekte der Einsatz- und Ausbildungsdoktrin der Schweizerischen Fliegerabwehr, sowie Erfahrungswerte im Bereich „Zusammenarbeit“ zu gewinnen. Mit dem Alarm Syst STI will man im Rahmen von „Open Spirit“ insbesondere

  • Technische und taktische Belange, sowie Aspekte der Ausbildung zu überprüfen

  • Die Durchhaltefähigkeit der Beobachtergruppe und die Systemzuverlässigkeit unter taktischen Bedingungen und besonderen klimatischen Verhältnissen zu nachzuprüfen

  • Dank der grossen Erfassungsreichweite des Systems die Einsatzmöglichkeiten im Waffenverbund praktisch auszuloten, wie etwa

    • die Luftlagedarstellung zu Gunsten anderer Waffensysteme wie

      • Patriot

      • Rapier

    • Fragen der Frequenzplanung

  • Die Einsatzmöglichkeiten zugunsten der Luftraumüberwachung von Flugplätzen und für das Swiss‑TOC (Tactial Operation Center) abklären.

Die erbrachten Leistungen der Schweizerischen Kampfgruppe werden von den ausländischen Partnern hoch gerühmt. Die in Bezug auf das Alarm Alarm System Stinger auf Stativ im Einsatz auf KretaSystem Stinger gewonnenen Erkenntnisse bekräftigen die bisher gemachten Erfahrungen und werden in der Zukunft den Ausbau der Einsatzmöglichkeiten von ALERT zugunsten anderer Systeme im Waffenverbund sowie der Ergänzung von Luftlagedarstellungen ermöglichen.

Für die Zukunft fasst man aufgrund der gemachten Erkenntnisse auch gemeinsame Munitionsüberwachungsschiessen im taktischen Rahmen auf Kreta mit Stinger und Rapier ins Auge.

2008

Erstmals schiessen Milizunteroffiziere der Schweizer Armee scharfe Leichte Flab Lenkwaffen Stinger ab Schulter und unter einsatznahen Bedingungen! Im Rahmen des Munitions-Überwachungsschiessens L Flab Lwf Stinger 2008 hielt sich das „Stinger Team Sile 2008“ vom 18. bis 27. Juni 2008 unter der Führung von Stabsadj Marchiondi in Sile (Türkei) auf, um auf dem dortigen Schiessplatz das 2. Munitionsüberwachungs-Schiessen L Flab Lwf Stinger durchzuführen. Das Team setzte sich aus erlesenen Unteroffizieren verschiedener L Flab Lwf Abt zusammen:
 
  • Adj Schnyder (Berufsunteroffizier)

  • Wm Degrimenci (L Flab Abt 7)

  • Wm Fahrni (L Flab Abt 5)

  • Wm Jenny (L Flab Abt 9)

  • Wm Kaufmann (L Flab Abt 7)

  • Wm Loser (L Flab Abt 5)

  • Wm von Aesch (L Flab Abt 9)

  • Wm Zimmermann (L Flab Abt 5)

  Das Ergebnis dieses ersten Einsatzes scharfer L Flab Lwf durch Truppenangehörige (bisher wurden scharfe Lenkwaffen im Wesentlichen nur von Berufs-Unteroffizieren verschossen) ist durch­wegs hervorragend ausgefallen, insbesondere auch was die Miliz anbetrifft. Als Beweis mag hierzu der pikante Hinweis genügen, dass die auf Nato-Erfahrung kalkulierten Drohneneinsätze (Bangee-Drohne) bei weitem nicht genügten, weil unsere Leute zu viele „Direct Hits“ (Drohnenabschüsse durch Direkttreffer) erzielten. Dies spricht einerseits für die Leistung unserer Milizangehörigen, aber auch für Intensität und Nachhaltigkeit der Ausbildung und nicht zuletzt auch für die Qualität der schweizerischen Lizenzfabrikation der L Flab Lwf Stinger.
  Bild oben: Jet Drohne "Bangee" - V(Z) = 67-89 m/s - Flughhöhe 600 m - start ab Katapult - vorprogrammierte Flugspuren oder manuell gesteuert - IRCM-Möglichkeit
 

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Last Update: 04.11.2011